Jan-Dieter erinnert sich an den Kauf einer Honda CB 500 Four

Einige Mitmenschen aus meiner näheren Umgebung sagen mir nach, ich wäre manchmal übertrieben ordentlich. Gut, das mag bei einigen Angelegenheiten stimmen, ist aber nicht die Regel. Eine Ordnung zu halten heißt, dass alle Dinge sortiert und nach festgelegten Mustern gesammelt und aufbewahrt sind. So hätte ich es zwar gerne, doch nach Jahrzehnten ist es unmöglich, sich an alle aufbewahrten Utensilien zu erinnern und den Plätzen zuzuordnen. Ein Messi bin ich deshalb noch nicht, aber ein Sammler schon und die sind bekanntlich glückliche Menschen  (lt.Goethe ).

Umso mehr freut man sich, wenn etwas gefunden wird, was einem mal wichtig erschien und wohl deshalb nie entsorgt wurde. In diesem Fall handelt es sich um die Rechnung zum Kauf einer Honda  CB500 Four! Meiner ersten Four! Datiert auf den 10. April 1973!!

 

An dem Tag nahm ich das Motorrad meiner Träume in Empfang.

Meine Honda CB350 K, welche ich beim selben Händler als erstes Neufahrzeug gekauft hatte und anderthalb Jahre ohne Probleme gefahren war, gab ich in Zahlung.

Die Original-Rechnung, … kurz und kühl:

Rechnung des Honda-Händlers Harmdierks über eine CB 500 Four

Rechnung des Honda-Händlers Harmdierks über eine CB 500 Four

 

 

Welche Emotionen hinter diesen nüchternen Zahlen stecken, kann ich nur ansatzweise beschreiben. Dreißig Jahre alte schöne Erinnerungen werden aus den  Schubladen des Gedächtnisses geholt.

Die Motorräder von Honda begeisterten mich, seit ich 1967 die damals einzige deutsche Motorradzeitschrift „Das Motorrad“ abonniert hatte. Die Testberichte über diese filigranen Wunder der Feinwerktechnik und doch robusten Maschinen aus dem fernen Japan konnte ich gar nicht oft genug lesen. Während meiner Ausbildungszeit gab es nur ein Ziel am Horizont und das war eine eigene neue Honda. Es wurde gespart, was möglich war. Bei einem Lehrlingslohn von 70,-DM im Monat ein schwieriges Unterfangen. Die zusätzlichen 30,-DM meiner Mutter für die Monatskarte der Bahn wurden auch heimlich gespart und ich strampelte bei jedem Wetter, Tag für Tag, mit dem Drahtesel die 12km Wegstrecke zur Firma.

Es kam der Tag der bestandenen Abschlußprüfung und anders als heute, sah man es gerne, wenn man im Betrieb blieb. Aufbruchstimmung allerorten! Geld verdienen! Mein Leben war junge zwanzig Jahre alt und kalkulierbar! Was kostet die Welt?

Honda hatte gerade den Begriff  des motorgetriebenen Zweirades neu definiert und mit der beispiellosen CB750 Four eine weltweite Initialzündung im Motorradbau ausgelöst.

Für mich war klar, das neue Motorrad musste eine Honda sein. Die CB750 kam erstens wegen des hohen Preises nicht in Frage und zweitens hatte ich als Anfänger gehörig Respekt vor der großen Maschine. Ich fühlte mich ihr nicht gewachsen! Noch nicht!

Die seltene CB350 Zweizylinder war ideal für mich. Fast 30 000km spulte ich mit ihr ab. Nur  tanken und fahren, keine Reparaturen und außer Spesen nichts gewesen.

 

In mir verdichtete sich der Wunsch nach etwas Größerem. Ein wenig mehr Hubraum wäre nicht schlecht. Man munkelte in den Gazetten, dass Honda eine „kleine“ 750er bauen würde, eine weitere Vierzylinder. Ab dem Zeitpunkt hatte ich einen Traum und als der erste Testbericht von „Klacks“ in der Motorradzeitschrift stand, gab es kein Halten mehr. Es musste unbedingt diese vorgestellte Honda CB500 Four sein! Das originale Prospekt, welches ich damals von meinem Händler bekam, habe ich auch jetzt noch! Die Ansicht von hinten, mit den vier Auspufftüten, machte gewaltig Eindruck.

So sahen andere Biker eine CB 500 Four meistens ...

So sahen andere Biker eine CB 500 Four meistens …

Kurz und gut! Das Krad wurde im Januar 1973 bestellt.

Die deutsche Hondazentrale in Offenbach lieferte die Honda meinem Händler einen Monat später, als angekündigt. Die Warterei war unerträglich!.

Kurz bevor ich meine eigene Maschine hatte,  konnte ich bei einer Fahrschule die kleine Four   probeweise fahren. Nach anfänglicher Euphorie war ich enttäuscht! Auf den ersten Kilometern kamen mir echte Zweifel, ob der Kauf die richtige Entscheidung war.

Ich war bei der CB350 diesen typischen knackigen Antritt gewohnt, mit der entsprechenden akustischen Untermalung. Nun saß ich auf einem säuselnden drehmomentlosen Automaten und fühlte mich schlecht. Kein Durchzug, kein Sound, nur die Optik stimmte.

Die Leichtigkeit des Fahrens, die gute Sitzposition, die sanft einsetzende Scheibenbremse beeindruckte mich dennoch, alles war für meine 174cm Größe wie gemacht. Ich hatte mit der Erkundung des Motorrades unterwegs eine Zeitlang  zu tun. Nebenbei schaute ich mir, eitel wie ich war, während der Fahrt das Spiegelbild in Schaufensterfronten an. Auf solch einem tollen Motorrad sieht der Fahrer zwangsläufig natürlich auch gut aus.

Aber was ist mit dem Motor? Unauffällig, ohne Vibrationen, fast wie ein Elektroantrieb und irgendwie langweilig. Ich schaltete eine Gangstufe runter und wieder rauf, es änderte sich kaum etwas, stoisch schnürte die Honda durch den Ort. Fehlt da etwa die Arbeit eines Zylinders? Außerhalb der Ortschaft fiel mein Blick etwas genauer auf den flach liegenden Drehzahlmesser. Der Zeiger bewegte sich im ersten Drittel zwischen 3500 und 5000 Umdrehungen, der rote Bereich fängt auf der Skala aber erst bei über 9000 an. Flugs schaltete ich paar Gänge zurück und ließ den Motor drehen. Das zurückhaltende Gesumse der vier Rohre veränderte sich plötzlich zu einem Pfeifen mit einem kehligen Unterton, als wenn der Motor darauf gewartet hatte. Die 48 Pferde versammelten sich ohne Verzögerung vollzählig zum Appell und rissen gemeinsam an meinen Armen. Ich war überrascht von der Bandbreite des Motors. Man konnte im fünften Gang vorschriftsmäßig durch Ortschaften rollen und im selben Gang auf der Autobahn fast 180km/h fahren.

Über 100km/h war kein Auspuffgeräusch mehr zu hören, nur noch die Windgeräusche meines Helmes. Etwas aggressiver hätte der Auspuffton schon sein dürfen, fand ich damals in meinem jugendlichen Alter. Für mich begann damals der Spaß mit der CB500 Four bei einer Drehzahl oberhalb der 5000er Marke. Heute, 34 Jahre später, ist der „Funfactor“ (neudeutsch) eher unterhalb dieser Markierung angesiedelt. Diesen geniesse ich, so oft es geht, abseits der Autobahn auf kurvigen Straßen mit der jüngeren Schwester der alten 500 Four, einer restaurierten CB550 K3.

Ich lernte die Eigenschaften der CB500 Four schätzen und sie war damals für mich Anfang der siebziger Jahre das Nonplusultra  unter den Motorrädern.

Meine kleine Honda Four wurde von mir in vier Jahren 88 000km gefahren. Seinerzeit war ich mit diesem fantastischen Motorrad wie verwachsen und lernte damit Europa kennen. Die Honda CB500 war aus heutiger Sicht das zuverlässigste Fahrzeug in meinem vielschichtigen Motorradleben.

Jan-Dieter Oeljeschläger

1.Honda CB750 Four Club e.V. Deutschland